Zwischen Landtag, Heimatbüchern und Katzenpfoten: Markus Kurze zeigt eine Seite von sich, die viele nicht kennen. Der Burger Familienmensch über seine Katze Mimi, die Liebe zur Heimat, späte Schreibnächte und warum Verantwortung für ihn nicht bei politischen Ämtern beginnt.

Viele im Jerichower Land kennen ihn: Markus Kurze, den Politiker. Seit mehr als zwei Jahrzehnten gehört er dem Landtag an, ist auf Veranstaltungen unterwegs, besucht Vereine, Schulen und Feuerwehren, kümmert sich um neuen Sand an der Badestelle am Niegripper See, hakt bei unbesetzten Lehrerstellen nach oder unterstützt Projekte, die seine Heimatstadt lebenswerter machen. Doch wer wissen möchte, wie der Tag des 55-jährigen Burgers beginnt, sollte nicht seinen Terminkalender studieren, sondern Mimi fragen –  seine Katze.
Denn Mimi ist der Politikerkalender völlig egal. Sie interessiert sich nicht für Sitzungen, Ausschüsse und Co. Wenn sie morgens ins Freie will, dann ist bei den Kurzes Zeit zum Aufstehen. Ohne Widerrede. „Da kennt sie kein Erbarmen“, sagt Kurze und lacht. „Dann nämlich stupst sie mich so lange mit der Nase ins Gesicht, bis ich reagiere.“ Ausschlafen? Völlig überbewertet.

Unser Kind mit Fell

Mimi, grau-weiß meliert und einst aus dem Tierheim in Schartau adoptiert, lebt heute mit drei Zweibeinern in einem Haushalt am Rande von Burg. Für die vierköpfige Familie – der 23-jährige Sohn wohnt inzwischen nicht mehr zu Hause – ist sie längst mehr als ein Haustier. „Sie ist unser Kind mit Fell“, sagt Kurze und fügt schmunzelnd hinzu: „Mehr muss man über ihren Platz bei uns eigentlich nicht sagen.“
Als die Familie im Tierheim Schartau eine Nachfolgerin für ihre verstorbene Katze Miezi suchte, kam Mimi gleich neugierig auf sie zugeschossen, während andere Artgenossen den Besuch aus sicherer Entfernung kritisch beäugten. „Da war eigentlich sofort klar: Die kommt mit“, erzählt Kurze.
Seitdem hat Mimi ihren festen Platz im Familienleben. Sie kuschelt gern mit Kurzes Frau und Tochter, schätzt aber auch ihre Rituale mit dem Hausherrn. Wenn er abends nach Hause kommt, dauert es meist nur wenige Minuten, bis Mimi ihre Streicheleinheiten einfordert. „Ich weiß eben genau, wie sie es gern hätte“, lacht Kurze. Und wie bedankt sich eine Katze für so viel Aufmerksamkeit? Na klar, mit Mäusen vor der Haustür!
Was Mimi wohl über ihr Herrchen ausplaudern würde, wenn sie sprechen könnte? „Auf jeden Fall, dass ich schnarche“, antwortet Kurze ohne zu zögern.

Heimat ist kein Ort auf der Landkarte

Wer Markus Kurze zuhört, merkt schnell: Es gibt noch etwas, das ihn ähnlich zuverlässig begleitet wie seine Familie und Katze Mimi – seine Verbundenheit zu Burg. Hier ist er aufgewachsen. Hier lebt er seit 55 Jahren fast ununterbrochen. Heimat ist für ihn kein abstrakter Begriff, sondern etwas sehr Konkretes. „Das sind die Menschen, die mich hier umgeben, die Geschichten aus der Vergangenheit und die Aufgaben, die heute vor uns liegen, um Burg noch lebenswerter zu machen“, sagt er.

Geschichten und Geschichtliches hörte er schon als Kind am Küchentisch seiner Großmutter. Die aus Pommern stammende Vertriebene erzählte oft von ihrer verlorenen Heimat, vom Krieg, vom Neuanfang und von einer Welt, die es auf einmal so nicht mehr gab. Für den Enkel waren das immer fesselnde Berichte, die seine Neugier weckten. Und die schon früh sein Interesse am Damals prägten. Eine Leidenschaft, die ihn bis heute begleitet. Schon als Schüler und später im Studium tauchte er tief in die Vergangenheit seiner Heimatstadt ein. Aus seiner Examensarbeit entstand ein Nachschlagewerk zur Geschichte Burgs. Es folgten weitere Bücher, darunter eine Sammlung von Sagen aus dem Jerichower Land, mit der viele Schulen der Region seit Jahrzehnten arbeiten.

Meist schreibt Markus Kurze dann, wenn andere längst schlafen. „Oft bis tief in die Nacht hinein, da ist es herrlich ruhig“, sagt er. In diesen Stunden entstehen die Texte und Bücher, mit denen er die Vergangenheit seiner Heimat bewahren will – Geschichten, die seine Oma bestimmt gern gelesen hätte.

Von Heino bis Techno

Auch Musik gehört für Markus Kurze zum Leben dazu – und das in erstaunlicher Bandbreite. „Von Heino bis Techno“, umreißt er. Je nach Stimmung dürfen es Volkslieder sein, Klassiker aus seiner Jugendzeit oder moderne Klänge, die seine Kinder auflegen. „Mit diesem Spektrum passe ich eher nicht in eine bestimmte Schublade, oder?“

Das gilt auch für den Urlaub. Viele Jahre ging es mit der Familie an die Ostsee, in diesem Jahr steht Norwegen auf dem Plan. „Da war ich noch nicht.“ Fernweh kenne er nicht, die schönsten Orte liegen für ihn oft ganz nah. „Vor der Tür oder um die Ecke“, sagt er und lädt uns an den Weinberg ein – einen seiner Lieblingsplätze in Burg, der im Zuge der Landesgartenschau neu gestaltet wurde. Ein Ort zum Entspannen, für Veranstaltungen, für Familien und Kinder. Auch an der Elbe kann man ihn antreffen – einfach nur dasitzend und aufs Wasser schauend, wann immer es seine Zeit erlaubt.

Der Mann, der eigentlich auf den Bau wollte

Dass er einmal Grundschullehrer, Erzieher, Autor und Politiker werden würde, war in seiner Kindheit kaum absehbar. „Eigentlich wollte ich auf den Bau“, erinnert er sich. Auf dem Vierseitenhof seiner Großmutter, wo er gern und viel Zeit verbrachte, experimentierte er mit Sand und Zement, verputzte Wände und half mit. Auch der Beruf des technischen Zeichners hätte ihn gereizt. Dass es später ein pädagogischer Weg wurde, habe vor allem an einem seiner Lehrer in der Schule gelegen, der ihn beeindruckte. „Wie er sich um uns kümmerte, sich für uns einsetzte, das hat mich begeistert. So wollte ich auch sein.“

Lustig, zuverlässig, heimatverbunden

Wie Markus Kurze sich mit drei Worten selbst beschreiben würde? Da muss er nicht lange überlegen: lustig, zuverlässig, heimatverbunden. Vor allem der erste Begriff überrascht viele, die ihn nicht gut kennen. „Das Leben ist ernst genug“, sagt er. Deshalb sei Lachen so wichtig. Er könne zum Beispiel immer wieder über die Olsenbande lachen, über Louis de Funès oder über alte Trickfilme, die ihn schon als Kind begeisterten. Und manchmal auch über eine Katze, die morgens zuverlässig dafür sorgt, dass niemand verschläft.

Verantwortung beginnt im Kleinen

Dass Haustiere für viele Menschen wichtig sind, kann Kurze nur bestätigen. „Sie geben Nähe und Geborgenheit.“ Gleichzeitig warnt er davor, die Entscheidung für ein Tier leichtfertig zu treffen. Seine Familie habe sich bewusst für eine Katze entschieden. „Wir mögen auch Hunde sehr gern, ein Hund ist allerdings mit deutlich mehr Aufwand verbunden.“ Sein Tipp: Sich vorher zu informieren, welche Verantwortung man übernimmt und sich darüber klar zu werden, ob man ihr auch gerecht werden kann. Ein Satz, der nicht nur für die Haltung von Haustieren gilt. Wer Markus Kurze begegnet, erlebt einen Menschen, der bodenständig und pragmatisch wirkt und lieber anpackt, als große Worte zu machen. Oder, um es mit den Augen von Katze Mimi zu betrachten: ein Mensch, der zuverlässig Futter serviert, ordentliche Streicheleinheiten verteilt und erstaunlich oft auf der Couch landet. Mehr braucht es manchmal gar nicht, um jemanden kennenzulernen.