Seit sieben Jahren ist Dackelhündin Tena im Tierheim Burg zu Hause. Sie erzählt ihre Geschichte und gibt Einblick in ihren Alltag.

Darf ich mich vorstellen: Ich bin Tena. Mischlingsdackeldame, zehn Jahre jung, stolze Besitzerin großer Kulleraugen und eines – sagen wir – unverwechselbaren Profils. Mein Zuhause ist das Tierheim in Schartau. Und ja: Ich bin anders. Geboren wurde ich in Kroatien. Meine ersten Jahre waren alles andere als ein Hundetraum. Mein damaliger Besitzer meinte es nicht gut mit mir. Geblieben sind mir einige schmerzhafte Narben – Andenken, auf die ich gut und gern verzichtet hätte. Aber wissen Sie was? Ich lebe. Seit fast sieben Jahren bin ich hier, fühle mich sicher und pudelwohl, nein besser: dackelwohl. Wie ich mich selbst beschreiben würde? Samtiges Fell, treuer Blick, selbstbewusstes Auftreten. Vielleicht mit einem Hauch Eigensinn. Meine Pfleger behaupten, ich sei zu klein für mein Gewicht. Ich sehe das anders: Meine Beine sind einfach zu kurz. Wären sie länger, würde ich glatt als Dobermann durchgehen. Schauen Sie mich doch an!

Ganz klein bis ganz schön groß

Mein Zuhause ist ein tierisch guter Laden. Rund 200 Mitbewohner habe ich hier – ein bunt gemischter Haufen. In der Mehrheit sind wir Hunde, dicht gefolgt von den Katzen. Außerdem gibt es Kaninchen, Meerschweinchen, Vögel, Chinchillas und sogar Ziegen, Schafe, Ponys, Schweine. Ja, richtig gelesen: Schweine. Wie die alle hier landen? Oft durch behördliche Einweisungen, wenn irgendwo das Tierwohl in Gefahr ist, sagt meine Chefin Astrid Finger. Die meisten bleiben nicht lange. Sie werden aufge päppelt, umsorgt und dann in gute Hände gegeben.

Andere – so wie ich – gelten als schwer vermittelbar. Manche wegen ihres Alters, andere wegen Krankheiten oder ihrer Vorgeschichte. Für Schweine gelten zum Beispiel besonders strenge Hygieneregeln, die die neuen Besitzer erfüllen müssen. Unsere Ponys und Schafe wohnen in einer Art WG. Eine echt hübsche Anlage, da bin ich neidisch. Unsere Katzen haben Gruppenräume, Einzelappartements und ein gesichertes Freigehege. Einige bewegen sich frei auf dem Gelände und finden sich ein, wenn der Hunger ruft. Für uns Hunde gibt es gemütliche Zimmer, Außenzwinger, große Auslaufflächen. Alles top also.

Ein Kommen und ein Gehen

Das Leben hier? Ist ein ständiges Kommen und Gehen. Im Schnitt werden jedes Jahr rund 700 Tiere aufgenommen. Die meisten finden ein neues Zuhause. Und dann gibt es uns Langzeitbewohner. Darunter zum Beispiel Katze Susi. Wir sind ungefähr im selben Alter. Sie hat einen kleinen Knacks und trägt ein Halsband, damit sie sich nicht den Hals aufkratzt. Eigentlich ein Hundehalsband, aber egal, Hauptsache es hilft und sie kann damit halbwegs normal leben. Sie tut mir leid, auch wenn ich mit Katzen sonst nicht viel anfangen kann. Wir sprechen einfach unterschiedliche Sprachen. Wenn ich freundlich mit dem Schwanz wedle, schauen sie panisch, reagieren nervös und gereizt. Als hätte ich einen Aufstand angekündigt. Versteht kein Mensch. Die meisten Bewohner wissen, dass ich – sagen wir mal – eine gewisse Führungsrolle innehabe. Sie achten und akzeptieren mich. Und falls nicht, kann ich durchaus Zähne zeigen. Ein bisschen Respekt schadet nie.

All inclusive im Tierheim

Beschweren kann ich mich hier wirklich nicht. Das Rundum-sorglos-Paket ist beeindruckend. Pünktliches Catering, täglicher Reinigungsservice, medizinische Versorgung – alles inklusive. Morgens werden die Betten aufgeschüttelt, die Zimmer gesäubert, dann startet das Tagesprogramm. Ich lege mich nach der Mahlzeit gern noch etwas aufs Ohr. Dass ich gewisse Privilegien genieße, will ich nicht verschweigen. Ich darf wählen, wo ich die Nacht verbringe beziehungsweise meine Nickerchen halte: im Flur, im Aufenthaltsraum der Pfleger oder im Sommer gern auch mal draußen. Wichtig ist mir, in der Nähe der Futterräume zu bleiben und alles im Blick zu behalten. Man will schließlich nichts verpassen!

Die Macht der Freundschaft

Eine kleine Kritik hätte ich allerdings: Morgens locken mich die Pfleger zum Fressen auf den Hof – „damit du dich bewegst“, sagen sie. Und dann ist der Napf nicht mal richtig voll! Angeblich nasche ich tagsüber zu viel und das sei ungesund. Na, wenn sie meinen. Zum Glück habe ich Freunde. Micha zum Beispiel – handwerklich begabt und mein persönlicher Held. Wenn irgendwo im Tierheim gebaut oder repariert wird, ist er zur Stelle, um zu unterstützen. Für mich bringt er vom Fleischer Bockwurst mit. Seine Frau schmiert mir eine Stulle – mit extra dicker Wurst. Auch Martina, unsere stellvertretende Vereinsvorsitzende, hat immer etwas Leckeres in der Tasche. Frische Hausmannskost – dazu kann ich einfach nicht nein sagen.

Ein engagiertes Team

Insgesamt kümmern sich 15 Mitarbeitende um uns. Dazu kommen zahlreiche Ehrenamtliche. Ohne sie wäre das alles hier für die Zweibeiner nur schwer zu stemmen. Ich sehe ja, wie unser Personal ackert und alles gibt: putzen, füttern, organisieren, trösten ... Feierabend? Erst, wenn wir alle versorgt sind. Manche nehmen schwache Tiere sogar mit nach Hause, um sie aufzupäppeln. Neulich ging es einem Meerschweinchen plötzlich schlecht – zur intensiven Beobachtung wurde es kurzerhand mitgenommen. Katzenbabys werden mit der Flasche großgezogen. Rund um die Uhr. Zu wissen, dass sich immer jemand um uns kümmert, das gibt Sicherheit.

Mitmachen? Aber richtig!

Wer helfen möchte, ist deshalb herzlich willkommen. Gassigeher, Tierpatenschaften, Futterspenden, handwerkliche Unterstützung – all das wird gebraucht. Aber – und jetzt höre ich schon die Stimme unserer Chefin – nicht einfach so. Tierheimleiterin Astrid Finger sagt immer: „Wir sind ein Geschäftsbetrieb mit festen Abläufen, Sicherheitsanforderungen und Hygienemaßnahmen. Einfach vorbeikommen, um Tiere zu füttern – das geht nun mal nicht. Wer helfen will, spreche uns gern an. Gemeinsam finden wir eine passende Aufgabe. Zum Wohl unserer Tiere.“ Recht hat sie. Ordnung muss sein. Ich persönlich bin ja im Übrigen nicht so die Gassigeherin. Da halte ich mich dezent zurück. Zu viele verbrannte Kalorien. Meine Beine sind schließlich kurz. Aber die meisten meiner Artgenossen lieben es, draußen unterwegs zu sein, und freuen sich über jede Gelegenheit.

Vermittlung mit Verantwortung

Wer einen von uns adoptieren möchte, muss sich ins Zeug legen! Schließlich sind wir Tiere kein Spielzeug. Jeder hat seine Geschichte. Viele von uns haben Schlechtes erlebt. Deshalb prüfen die Pfleger genau, wer zu wem passt. Da draußen ist gerade eine Dame, die seit Tagen mit einem älteren Hund spazieren geht. Gestern war ihr Mann hier. Kennenlernphase! Erst wenn wirklich alles passt, darf mein Artgenosse umziehen. Das dauert manchmal. Aber es gibt uns Sicherheit. Niemand wird einfach „weitergereicht“. Hier soll nicht einfach nur Platz geschaffen werden. Es geht darum, dass wir langfristig ankommen und gut versorgt sind. Aus eigener Erfahrung weiß ich: Im Tierheim Schartau wird niemand aufgegeben. Manche bleiben länger. Manche für immer. Aber wir sind nicht vergessen. Und ich? Ich bin Tena. Dackeldame. Unverwechselbar. Vielleicht ein bisschen zu rund. Vielleicht nicht ganz einfach. Aber hier zu Hause. Und das ist mehr, als ich mir früher je zu träumen gewagt hätte.

Wie kann ich Tierpate werden?

Unter www.tierheim-burg.de/patenschaft können Sie sich ein Patentier auswählen. Wenn Sie allen Tieren im Tierheim helfen wollen, wählen Sie „allgemeiner Pate“. Pate werden können Sie mit einem Beitrag ab 10 Euro monatlich. Sie erhalten eine persönliche Patenschaftsurkunde sowie regelmäßige Updates über Ihr Patentier.

Wie läuft die Vermittlung ab?

Zunächst lernen sich Tier und Mensch kennen. Auch das häusliche Umfeld muss passen. Wenn Sie zur Miete wohnen, braucht das Tierheim das Einverständnis Ihres Vermieters. Die Einrichtung vermittelt an Interessenten ab 25 Jahren. Für die Vermittlung der Tiere fallen Schutzgebühren an.

Nähere Infos: www.tierheim-burg.de/tiervermittlung.