Warum werden bei Pferdesportevents eigentlich Hüte getragen?
Das ist eine Mischung aus historischer Tradition, strengem Dresscode und Modebewusstsein. Besonders im 18. und 19. Jahrhundert war es für Damen und Herren der feinen Gesellschaft üblich, in der Öffentlichkeit Hüte zu tragen – als Zeichen von Stellung und Eleganz. Pferderennen entwickelten sich früh zu gesellschaftlichen Ereignissen. Bis heute fließt der Dresscode – insbesondere in der Dressur – in die Bewertung ein. Eine korrekte Turnierkleidung gehört zum Gesamteindruck.
Der Reiterverein Wahlitz 1921 e. V. ist Sportgemeinschaft, Veranstalter, Nachwuchsförderer und sozialer Treffpunkt in einem.
Die Großen hören auf Namen wie Erika, Cochella, Chako Blue oder Samba Hit. Die Kleineren heißen Lady, Lotty, Biene Maya oder Prinz. Sie sind empathisch, hochsensibel, aufmerksam – und ausgesprochen sozial. In Wahlitz dreht sich fast alles um Pferde. Und das seit mehr als einem Jahrhundert. „Wahlitz und Pferde – das wird, seit ich denken kann, in einem Atemzug genannt“, sagt Nicole Albrecht, Vorsitzende des Reitervereins Wahlitz 1921 e. V. und blickt zurück: „Veranstaltungen rund um diesen Sport gab es bei uns schon immer.“ Zu den frühen Höhepunkten zählten Ring- und Geschicklichkeitsreiten, bei dem der Reiter im Galopp einen kleinen Ring mit einer Lanze aufspießen muss, ebenso wie Trabrennen für schwere Pferde.1951 entstand die BSG Traktor Wahlitz, Sektion Pferdesport. In den folgenden Jahrzehnten entwickelte sich der Schwerpunkt zunehmend in Richtung Turniersport, während das Ringreiten als lebendige Tradition erhalten blieb. 1991 löste sich die Sektion aus der BSG und trägt seither wieder ihren ursprünglichen Namen: Reiterverein Wahlitz 1921.
Pferde verbinden – Generationen, Nachbarn, Familien
Mit über 60 Mitgliedern im Alter von vier bis 75 Jahren – mit und ohne eigenes Pferd – ist der ehrenamtlich geführte Verein der größte im Ort. Sein Ziel: Reit- und Fahrsport als festen Bestandteil des dörflichen Lebens zu stärken. „Bei uns begegnen sich Menschen, die ihre Leidenschaft für diese Vierbeiner teilen“, sagt Nicole Albrecht. Sie gehört dem Verein seit 1997 an, saß früher regelmäßig im Sattel und versteht sich heute als Organisatorin im Hintergrund, die die Fäden zusammenhält. Eigene Pferde besitzt der Verein nicht – er bietet vielmehr ein organisatorisches Dach für Mensch und Tier. Turniere und Wettbewerbe werden ausgerichtet, Freizeitsport wie Reiten oder Kutschfahrten ermöglicht. „Wer an offiziellen Turnieren teilnehmen möchte, muss Mitglied in einem anerkannten Verein sein“, erklärt die 46-Jährige. „Wir schaffen dafür die Voraussetzungen – und pflegen zugleich unsere Gemeinschaft. Heißt: Der Verein ist hier fest verankert, gestaltet das dörfliche Miteinander aktiv mit.“
Geritten und gefahren
Drei klassische Disziplinen prägen das sportliche Vereinsprofil: Dressur, Springen und Fahrsport. Dressurreiten sei gewissermaßen die „Gymnastik“ für Pferd und Reiter, erklärt der stellvertretende Vereinsvorsitzende Stefan Dame. Es gehe um Haltung, Harmonie und präzise Figuren. „Das Pferd braucht einen gesunden Bewegungsapparat, Kraft und Rittigkeit – darauf arbeiten wir hin.“ Im Springreiten stehen Technik, Vertrauen und Charakter im Mittelpunkt. Das Pferd muss ausgeglichen sein und darf keine Scheu vor hohen Hindernissen haben. „Als ausgebildeter Pferdewirtschaftsmeister führe ich die Tiere Schritt für Schritt an neue Herausforderungen heran, sorge für gute Trainingsbedingungen wie auch für ihr persönliches Wohlergehen“, sagt Dame. In Wahlitz sei diese Disziplin besonders stark vertreten – mit Teilnahmen bis hin zu den Landesmeisterschaften Sachsen- Anhalts. Beim Fahrsport kommen die Kutschen ins Spiel. Ein-, Zwei- oder Vierspänner zeigen ihr Können etwa beim Hindernis- oder Geländefahren. Beim Kegelfahren, nennt Dame ein Beispiel, müssen die Gespanne präzise um Pylonen manövrieren, auf denen gelbe Bälle liegen. Fällt dabei ein Ball herunter, gibt es Strafpunkte. Fahrsport bedeutet weit mehr als Anspannen: Die Pferde werden behutsam an Geschirr und Wagen gewöhnt, auch die Wahl der Kutsche ist entscheidend. Der Reiterhof verfügt über eine Dressur- und eine Marathonkutsche, Hochzeitskutschen in Weiß und Dunkelblau, einen Kremser und sogar einen historischen Leichenwagen. Besonders eindrucksvoll ist es, wenn bei Turnieren unterschiedlichste Gespanne anreisen – alle liebevoll gepflegt und präsentiert.
Enges Miteinander
Trainiert wird auf dem vereinseigenen Reitplatz. Darüber hinaus nutzt der Verein die Anlagen des Reiterhofes Dame – etwa die Reithallen für die Wintermonate. Die enge Verbindung zwischen Verein und Reiterhof zeigt sich auch personell: Stefan Dame ist nicht nur Geschäftsführer des Hofes, sondern engagiert sich eben zugleich auch im Verein. Die Leidenschaft für Pferde liegt ihm im Blut – geprägt von seinem Vater Reinhard Dame, der den Hof nach der Wende aufbaute. „Ich saß bereits mit wenigen Monaten zum ersten Mal auf einem Pferd. Da war ans Laufen noch lange nicht zu denken“, erzählt der 52-Jährige lachend.
Wahlitzer Highligts
Im Frühjahr stehen das Dressur- und Springturnier sowie das Fahrturnier auf dem Programm, im Oktober folgt der traditionelle Orientierungsritt. Die Vorbereitung eines Turniers dauert oft Monate. Genehmigungen müssen eingeholt, Sponsoren gewonnen, Abläufe geplant werden. „Hier ist der Verein als Veranstalter in jeder Hinsicht gefragt“, sagt Nicole Albrecht und berichtet vom letzten Fahrturnier. Daran nahmen rund 250 Aktive mit 63 Kutschen teil. Viele reisten bereits am Freitag an und blieben bis Sonntag – eine logistische Herausforderung. Dass es neben sportlichem Ehrgeiz dabei auch immer um Gemeinschaft geht, beschreibt Stefan Dame so: „Im Wettkampf wird gefightet, anschließend zusammen gefeiert. Und: Bei uns fährt keiner vom Hof, solange das letzte Pferd noch nicht verladen ist.“ Anpacken, helfen, füreinander da sein – das gehöre in Wahlitz selbstverständlich dazu. Für Nicole Albrecht sind Pferde treue Kameraden: sensibel, ehrlich, fordernd. „Wer mit einem 600-Kilo-Tier arbeitet, lernt Respekt, Geduld und Verantwortung. Vielleicht prägt genau das auch unser Dorf.“ Ihr Wunsch für die Zukunft: „Noch mehr junge Menschen für dieses wunderbare Hobby zu begeistern.“ Damit auch kommende Generationen sagen können: Wahlitz und Pferde – das gehört einfach zusammen.
3 Fragen an Stefan Dame, Geschäftsführer des Reiterhofs Dame
Was bietet der Reiterhof?
Bei uns können Pferdebesitzer ihre Tiere unterstellen und versorgen lassen. Der Großteil der rund 100 Pferde auf unserem Hof sind Pensionspferde. Unsere eigenen rund 30 Pferde dienen der Zucht, dem Fahrsport und dem Verleih. Wir bereiten junge Pferde auf ihre Eignungsprüfungen für Reitsport, Fahrsport und Zucht vor. Zudem beteiligen wir uns an der Ausrichtung von Turnieren, bieten Ponyreiten, Kremser- und Kutschfahrten sowie die Möglichkeit, Pferde für Ausritte zu mieten. In unseren Reithallen kann trainiert werden, die großzügigen Auslaufflächen kommen Mensch und Pferd gleichermaßen zugute.
Sie selbst spannen auch an – Ihre Lieblingskutsche?
Die Marathonkutsche. Sie ist sportlich und geländetauglich. Gern erinnere ich mich aber auch an meine dunkelblaue Hochzeitskutsche – damit das weiße Kleid meiner Auserwählten schön zur Geltung kam. Zum Altar ging es mit sechs angespannten Schweren Warmblütern.
Warum werden bei Pferdesportevents eigentlich Hüte getragen?
Das ist eine Mischung aus historischer Tradition, strengem Dresscode und Modebewusstsein. Besonders im 18. und 19. Jahrhundert war es für Damen und Herren der feinen Gesellschaft üblich, in der Öffentlichkeit Hüte zu tragen – als Zeichen von Stellung und Eleganz. Pferderennen entwickelten sich früh zu gesellschaftlichen Ereignissen. Bis heute fließt der Dresscode – insbesondere in der Dressur – in die Bewertung ein. Eine korrekte Turnierkleidung gehört zum Gesamteindruck.