Als die Stadtwerke Burg am 24. September 1991 gegründet wurden, gab es vor allem eines nicht: eine fertige Struktur. Die Versorgung mit Strom, Gas, Wärme und Wasser lag in unterschiedlichen Händen. Die Stadt entschied sich für einen Neustart – mit einem kommunalen Versorger, der alle Sparten unter einem Dach bündeln sollte.
Was fehlte, waren Geld, Personal, Know-how und Erfahrungen.
Langjährige Kollegen berichten, dass mit fünf Mitarbeitenden gestartet wurde. Das erste technische Gerät war eine Kaffeemaschine! Die erste Betriebsstätte: eine Wohnung über einer Kegelbahn, möbliert mit Kindergartenmöbeln. Heute zählt das Unternehmen rund 80 Mitarbeitende, verfügt über moderne Technik, gut ausgebaute Netze und bietet attraktive Energiedienstleistungen. Der Weg dahin war geprägt von mutigen Entscheidungen, wegweisenden Investitionen – und durchaus auch von Rückschlägen.
Aufbauarbeit in den 1990er-Jahren
Dafür suchten sich die Stadtwerke erfahrene Partner. Mit der NGW Niederrheinische Gas- und Wasserwerke GmbH, einer Tochter der GELSENWASSER AG, kamen neben finanzieller Unterstützung auch wichtiges Fachwissen und Branchenerfahrungen ins Haus.
Startschuss Erdgas – 34 Millionen D-Mark für die Zukunft
Noch am Tag ihrer Gründung unterzeichneten die Stadtwerke mit der Stadt den Gas-Konzessionsvertrag. In den folgenden zwei Jahren investierte das junge Unternehmen stolze 34 Millionen D-Mark in den Ausbau des Erdgasnetzes. Burg heizte damals vielerorts noch mit Kohle, Stadtgas gab es nicht überall – und die alten Leitungen hielten den neuen Druckverhältnissen auch nicht zuverlässig stand. Inzwischen versorgen die Stadtwerke mehr als 6.000 Erdgaskunden über ein modernes, vollständig erdverlegtes Netz.
Was damals Aufbauarbeit war, ist heute stabile Infrastruktur – Grundlage für die nächsten Schritte der Energiewende.
Innovativ unterwegs
1994 übernahmen die Stadtwerke die Wärmeerzeugung. In Burg-Süd ging ein neues Heizkraftwerk in Betrieb, mit Blockheizkraftwerken, die in innovativer Kraft-Wärme-Kopplung Strom und Wärme gleichzeitig produzierten. Mit dem Ziel, unabhängiger vom externen Stromeinkauf zu werden und effizienter zu wirtschaften.Die Idee, Energie intelligent vor Ort zu erzeugen, ist aktueller denn je – heute heißen die Themen dabei unter anderem Photovoltaik, Mieterstrom und Speicher.
Rückschläge gehören dazu
Nicht jeder Entwicklungsschritt der Stadtwerke verlief geradlinig und ohne Einschnitte. So endete die 1993 übernommene Betriebsführung für Wasser und Abwasser im Jahr 2000 vorzeitig, nachdem die Kommune entschieden hatte, diese Aufgaben im Wasserverband zu bündeln.
Auch der Versuch, einen bundesweiten Energievertrieb aufzubauen, erwies sich als zu ambitioniert. Rückblickend zeigt sich jedoch: Gerade solche Erfahrungen gehören zur Entwicklung eines Unternehmens. Neue Wege auszuprobieren, daraus zu lernen und gestärkt hervorzugehen, prägt die Stadtwerke bis heute. Heute liegt der Fokus klar auf der Region – und das mit Erfolg.
Vom Stadtwerk zum Landwerk
Mit der Marke „Jerichower Landwerk“ dehnte das Unternehmen seinen Vertrieb bewusst über die Stadtgrenzen hinaus aus. Ziel ist es, auch im Landkreis eine stärkere Präsenz zu zeigen. Voraussetzung dafür: Die 2013 durch die Stadtwerke erfolgte Übernahme der Strom- und Gaskonzessionen im Umland. Heute werden mehr als 17.000 Strom- und 6.000 Erdgaskunden versorgt.
Neue Dienstleistung
Seit 2018 kümmern sich die Stadtwerke zudem um die Straßenbeleuchtung in Burg und den umliegenden Ortschaften – rund 4.000 Lichtpunkte, die inzwischen vollständig auf LED-Technik umgestellt sind. Neben geringeren Betriebskosten geht es dabei auch um Energieeinsparung.
Energiewende vor Ort
2016 setzten die Stadtwerke das erste Mieterstromprojekt in Sachsen-Anhalt um – als Bürgerbeteiligungsmodell. Dabei beziehen Mieterinnen und Mieter Strom aus Photovoltaikanlagen direkt vom Dach ihres Hauses – und werden damit Teil der Energiewende. Aus einem Pilotprojekt ist inzwischen ein wachsendes Geschäftsfeld geworden.
2020 nahmen die Stadtwerke die ersten öffentlichen E-Ladesäulen in Burg in Betrieb – fünf Ladepunkte, die den Einstieg in den Aufbau einer lokalen Ladeinfrastruktur markieren.
Moderne Arbeitswelt
1995 hatten die Stadtwerke ihr neues Verwaltungsgebäude bezogen. Ein Jahr später wurde der erste Ausbildungsvertrag geschlossen. Inzwischen bildet das Unternehmen regelmäßig aus – sowohl im technischen als auch im kaufmännischen Bereich.
Viele ehemalige Auszubildende sind geblieben. Aus dem improvisierten Start-up der Nachwendezeit ist ein etablierter und geschätzter Arbeitgeber geworden.
Daseinsvorsorge mit Haltung
Trotz ihrer überschaubaren Größe haben die Stadtwerke Burg Entwicklungen in der Energiewirtschaft frühzeitig aufgegriffen und aktiv mitgestaltet. Ein großes Plus dabei: die regionale Verwurzelung mit engem Kontakt zu den Kundinnen und Kunden.
Neue Umbrüche
35 Jahre nach der Gründung stehen die Stadtwerke Burg erneut vor tiefgreifenden Veränderungen. Die Transformation des Energiesystems hin zu einer dezentralen und zunehmend regenerativen Versorgung bringt große Chancen, aber auch anspruchsvolle technische und wirtschaftliche Herausforderungen mit sich. Wie schon in den Anfangsjahren werden dafür engagierte Fachkräfte, innovative Ideen und unternehmerischer Mut benötigt. Die Geschichte der Stadtwerke Burg zeigt, dass Wandel hier nie Stillstand bedeutete, sondern stets Antrieb für Entwicklung war. Von der Wende zur Energiewende: Die Reise geht weiter.